25.07.2008

Drum prüfe, wer sich an eine Nähmaschine bindet……

seit über einem Jahr bieten wir verschiedene Nähkurse für Kinder ab 6 Jahren an. Es fängt beim Nähmaschinen Führerschein an und geht mit kleinen Nähprojekten weiter. Ab 8 Jahren können die Kinder dann Kleider, Hosen, T-Shirts usw. nähen. Wie die Erwachsenen auch. Zugegeben, für die Kursleiterinnen ist es manchmal ein wenig stressiger Kinder ins Nähen einzuführen. Aber wenn der Kurs vorbei ist, 5 oder 6 Kinder, stolz wie „Lionking” in ihren selbstgenähten Klamotten zum Schlussfoto posieren, und hinterher sich bei der „Lehrerin” bedanken und ihr sagen, dass der Kurs voll cool war, ist aller Stress vergessen.
Neulich war Julia, 9 Jahre alt und ehemalige Kursteilnehmerin im Laden und schaute sich lange und intensiv Stoffe an. Das Angebot der Verkäuferin, sie zu beraten, lehnte sie ab. Sie müsse schon selbst nach den Stoffen schauen. Zufällig kam ihre damalige Kursleiterin dazu und fragte, was sie gerade nähe. Jetzt schüttete Julia ihr Herz aus: Sie habe zum Geburtstag von der Oma eine Nähmaschine bekommen aber die nähe nicht richtig. Normale Baumwollstoffe, das schon aber sonst sei alles schwierig und sie habe schon gar keine Lust mehr. Es stellte sich heraus, dass die Maschine bei einem Discouter gekauft war, made in China. Julia konnte ihre Oma überreden, mit ihr und dieser Nähmaschine zu uns zu kommen um die Maschine prüfen zu lassen. Und Julia hatte recht, die Maschine nähte weder dicke noch dünne Stoffe, nur Baumwoll- Kretonne. Zwar war die Fadenspannung schlecht aber immerhin. Als Julias Oma sah, dass sie Julias Nähambitionen, die ihr sehr am Herzen liegen, mit dieser Nähmaschine eher schadete als nutzte, gab sie die Maschine kurz entschlossen zurück und kaufte Julia eine gut funktionierende Nähmaschine. Julia, die ein wirkliches Nähtalent ist, nähte ihrer Oma daraufhin eine Hose und ein Oberteil.
Was sich hier wie eine Tragödie mit Happy End liest, ist leider für viele, die gerne nähen würden, eine schlimme Realität. Im Glauben, dieser oder jener Discounter habe einen guten Namen und die Geräte, die er verkaufe seien auch nicht schlechter, nur billiger, als Markengeräte vom Fachhändler, wurde dort eine Nähmaschine gekauft, die diesen Namen eigentlich nicht verdient. Da man selbst nicht unbedingt die Nähmaschinen Spezialistin ist und keinen Fachmann fragen kann, schiebt man sich selbst die Schuld zu und glaubt, man könne die Maschine nicht bedienen. So steht die Maschine, verursacht Unbehagen und erfüllt ihren Zweck nicht. Schade. Wen wundert´s, dass Nähmaschinen Mechaniker, die solche „Schätzchen” häufig, kaum gebraucht „zum Nachsehen” gebracht bekommen dabei von „Stehmaschinen” sprechen.
Wenn Sie eine solche Billigmaschine zu Hause haben, mit der Sie nicht so richtig warm werden, bringen Sie das Gerät einfach zu einem Nähmaschinen Fachmann. Wir, aber nicht nur wir, sondern auch viele Kolleginnen und Kollegen in der Nähmaschinenbranche, kennen das „Elend” und sagen Ihnen ganz offen, wo bei Ihrer Maschine „der Hund begraben” ist. Vielleicht sind Sie nur mit der zu primitiven Technik überfordert, die von Ihnen verlangt, die Fadenspannung, die Stichlänge, den Fußdruck usw. von Näharbeit zu Näharbeit neu einzustellen. Vielleicht wissen Sie zu wenig über das Nadel- Fadenverhältnis, das Sie beachten müssen oder sonstige Details, die Sie auch nicht in der Gebrauchsanleitung finden. Oder Ihre Maschine hat wirklich von Anfang oder durch eine Fehlbedienung einen Schaden. Natürlich kann niemand generell sagen, alle Nähmaschinen, die Discounter anbieten seien schlecht oder ungeeignet zum Nähen. Allerdings scheint die Quote der Ausschussmaschinen, die ganz normal eingepackt und ausgeliefert werden recht hoch zu sein. Ein größeres Problem lassen die Aussagen vieler enttäuschter Käuferinnen solcher Maschinen vermuten: sie haben nicht damit gerechnet dass Nähmaschinen gebaut und verkauft werden, die von der Bau- und Nähpräzision so weit weg sind von der guten alten Nähmaschine, mit der früher die Mutter genäht hat, mit der man einst in der Schule das Nähen erlernte, mit der die Bekannte, die viel näht und deshalb eine „teure” Markennähmaschine hat, arbeitet. Besonders schlimm stößt es vielen Enttäuschten auf, dass auf solchen Maschinen auch Marken stehen, die eigentlich einen guten Klang haben. Das Wort, das wir in diesem Zusammenhang am häufigsten hören, lautet „Fehlkauf”. Klingt teuer, oder?
Um solchen Enttäuschungen zu entgehen ist es am besten, sich vor dem Kauf einer Nähmaschine intensive Gedanken zu machen, welche Näharbeiten damit erledigt werden sollen, ob dabei auch Trikot, Jersey, Funktionsstoffe, dicke, harte Jeans, Microfaser Gardinenstoffe oder weitere Problemstoffe vorkommen. Überlegen Sie, ob Sie so fit sind in der Näherei, dass Sie jedwede Nähmaschine zu mindest nach Gebrauchsanleitung gut bedienen und ihre Stiche alle anwenden können. Wenn das nicht der Fall ist, sollten Sie sich von uns telefonisch oder im Laden beraten lassen.
Und wenn Sie schon im Laden sind: Setzen Sie sich selbst an die Maschine, nähen Sie mit ihr und fragen Sie Ihren Bauch, ob Sie sich mit ihr wohl fühlen. Denn mit einer Nähmaschine ist es fast so wie mit der Ehe: drum prüfe, wer sich (ewig? eher nicht) bindet….

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